Haupinhalt

Gemeinsam gegen invasive Pflanzen: Erfolgreiche Aktion in Uri

28. März 2025

Die zweite Neophyten-Tauschaktion im Kanton Uri ist ein voller Erfolg. In vielen Gemeinden tauschen zahlreiche Gartenbesitzerinnen und -besitzer invasive Pflanzen gegen einheimische Gewächse aus. Diese Initiative trägt dazu bei, die heimische Biodiversität zu fördern und die Ausbreitung gebietsfremder Pflanzen einzudämmen.

Gemeinsam gegen invasive Pflanzen – das ist die Devise der Neophyten-Tauschaktion. Der Kanton Uri und die Bürgergemeinden arbeiten dafür Hand in Hand. Denn invasive Neophyten stellen zunehmend eine Bedrohung für die einheimische Flora und Fauna dar. Sie verbreiten sich oft unkontrolliert und verdrängen lokale Pflanzenarten, was negative Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem hat. Um diesem ungewollten Wachstum entgegenzuwirken, hat das Amt für Umwelt des Kantons Uri in Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben der Korporationsbürgergemeinden die zweite Neophyten-Tauschaktion organisiert. Die erste Tauschaktion fand vor zwei Jahren für die Gemeinden Altdorf, Flüelen und Sisikon statt und war ein grosser Erfolg. In diesem Jahr wurden nun alle Gemeinden im Kanton Uri angesprochen. Die Finanzierung der Aktionen hat die Dätwyler Stiftung sichergestellt, unterstützt durch die Korporationen Uri und Ursern.

Die Resonanz auf die Aktion war überwältigend. Zahlreiche Privatpersonen nutzten die Gelegenheit, invasive Pflanzen in ihren Gärten durch einheimische, ökologisch wertvolle Gewächse zu ersetzen. Die Pflanzen konnten letzte Woche von den Privaten gratis abgeholt werden oder werden zur Hälfte der Kosten durch einen örtlichen Forstbetrieb oder eine Gartenbaufirma gepflanzt. Besonders gefragt waren Sträucher wie der schwarze Holunder, die Johannesbeere sowie auch die Rosengewächse, die nicht nur zur Artenvielfalt beitragen, sondern auch Lebensraum und Nahrung für viele Insekten und Vögel bieten. Insgesamt etwa 2'000 Pflanzen werden abgegeben. Das Amt für Umwelt und die Korporationsbürgergemeinden unterstützen die Bevölkerung aber auch mit fachlicher Beratung.

Weg mit dem Flieder
Ein konkretes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz gegen Neophyten ist das Grundstück von Petra Sicher in Gurtnellen. Petra Sicher ist Medizinerin und hat sich schon immer für Biologie interessiert. Sie gibt zu, dass es für Laien schwierig ist, Neophyten zweifelsfrei zu identifizieren, da sie oft ähnlich wie einheimische Pflanzen aussehen. Die fachkundige Beratung im Rahmen der Aktion hat sie sehr geschätzt. «Ich wollte meinen Teil beitragen und Neophyten entfernen, aber ohne die Experten hätte ich einige Pflanzen wohl nicht erkannt», sagt sie. So sei zum Beispiel das Schmalblättrige Greiskraut schwer zu erkennen. Die Pflanze ist giftig fürs Vieh und wird leicht mit dem einheimischen Jakobskreuzkraut verwechselt. Gleichzeitig betont Petra Sicher, dass auch die öffentliche Hand weiterhin aktiv gegen Neophyten vorgehen müsse, insbesondere an Böschungen und Schutzbauten, um zu verhindern, dass die Pflanzen sonst schon bald wieder auch auf dem eigenen Grundstück auftauchen. Viele invasive Neophyten wurden ursprünglich als Zierpflanzen in Gärten angepflanzt. Die Samen und Früchte dieser Pflanzen können sich jedoch weit verbreiten und in natürliche Lebensräume eindringen. Sie verdrängen dort einheimische Arten und stören das ökologische Gleichgewicht. Besonders problematisch sind Pflanzen wie der Japanische Staudenknöterich, der Kirschlorbeer, die Nordamerikanische Goldrute und die Tessiner Hanfpalme.

Neophyten: Eine Herausforderung für die Förster
Der junge Urner Förster Adrian Lussmann und sein Team vom Forstrevier Uri Süd entfernten dort unter anderem den Sommerflieder, eine invasive Art, die sich stark ausbreitet. Das Grundstück von Petra Sicher liegt direkt unterhalb des Schutzwaldes und zwischen der Bahnlinie der Gotthard-Bergstrecke. Gerade die Lage spricht für ein aktives Vorgehen gegen Neophyten. Förster Lussmann betont die Bedeutung solcher Massnahmen: «Es ist essenziell, dass Neophyten nicht aus privaten Gärten in den Wald getragen werden. Sie nehmen jungen einheimischen Pflanzen Licht und Raum und gefährden so die Schutzfunktion des Waldes.» Lussmann spricht mit Leidenschaft über seinen Beruf und den Wert einer natürlichen Waldlandschaft: «Viele Menschen wissen gar nicht, wie wichtig ein gesunder, artenreicher Wald für uns alle ist. Er bietet nicht nur Schutz vor Steinschlägen und Lawinen, sondern ist auch ein Lebensraum für unzählige Tierarten. Wenn invasive Pflanzen die natürlichen Arten verdrängen, geht uns dieses Gleichgewicht verloren.» Es ist wichtig zu verstehen, dass die Menschen im Berggebiet mit der Natur arbeiten müssen, nicht gegen sie. Dazu gehöre auch, dass Neophyten richtig entsorgt werden. «Neophyten gehören in den Kehricht, nicht auf den Kompost oder in den Wald.» In den Gemeinden werden durch das Amt für Umwelt kostenlos Neophytensäcke abgegeben.

Positive Bilanz
Die zweite Neophyten-Tauschaktion hat gezeigt, dass das Interesse an diesem Umweltprojekt weiterhin gross ist. «Das grosse Echo und die positive Rückmeldung bestätigen uns darin, die Aktion weiterzuführen», sagt Beat Zgraggen vom Amt für Umwelt. «Gemeinsam mit der Bevölkerung können wir viel für die Biodiversität tun und gleichzeitig die Ausbreitung der Neophyten eindämmen.» Mit der Hauptfinanzierung der Aktion durch die Dätwyler Stiftung werden auch die Kantonsfinanzen geschont.

Rückfragen von Medienschaffenden
Lorenz Jaun, Vorsteher Amt für Umwelt, Telefon 041 875 24 21, E-Mail Lorenz.Jaun@ur.ch
Beat Zgraggen, Telefon  041 875 24 48, E-Mail Beat.Zgraggen@ur.ch

 

Dätwyler Stiftung lässt einheimisches Grün spriessen
Ermöglicht wird die Neophyten-Tauschaktion durch die Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Umwelt, den Forstbetrieben der Korporationsbürgergemeinden und der Dätwyler Stiftung sowie den Korporationen Uri und Ursern. Während das Amt für Umwelt und die Bürgergemeinden die Organisation, Beratung und praktische Umsetzung vor Ort übernehmen, sichert die Dätwyler Stiftung mit einem grosszügigen Beitrag die Finanzierung – bereits zum zweiten Mal. Für das Team der Stiftung ist zudem klar: Die Neophyten-Tauschaktion leistet einen wichtigen Beitrag zur gesunden Biodiversität im Kanton Uri. Die Stiftung engagiert sich nicht nur finanziell, sondern auch ganz praktisch – dieses Jahr ist ein eigener Arbeitseinsatz gegen Neophyten vorgesehen. Das zeigt: Wenn öffentliche Hand und private Partner zusammenspannen, kann gemeinsam viel für die Natur erreicht werden. An den Pflanzenabgaben am vergangenen Freitag und Samstag zeigte sich auch, dass eine breite Schicht der Urner Bevölkerung vom Projekt profitieren konnte.

 

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Bild 1 (von links nach rechts): Beat Zgraggen und Lorenz Jaun, Amt für Umwelt, Roland
Wüthrich, Amt für Forst und Jagd, Markus Arnold und Susanne Döhnert-Dätwyler, Dätwyler
Stiftung, Förster Toni Zberg und André Herger  (Foto Angel Sanchez)
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Bild 2: Beratung Pflanzentausch Förster Adrian Lussmann mit Petra Sicher (Foto Angel Sanchez)
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Bild 3: Abgabetag Pflanzen (Foto Angel Sanchez)

 

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